Betroffenheiten mindern und Klimafolgen vorbeugen
Klimaanpassungskonzept der Kommunen im Landkreis nimmt Gestalt an

Vertreterinnen und Vertreter der 27 beteiligten Kommunen diskutierten mit Mitarbeitenden des Landratsamts und externen Akteuren in sechs Workshops konkrete Maßnahmenideen und Vorschläge zur Klimafolgenanpassung.
Im Rahmen der Erstellung eines Klimafolgenanpassungskonzepts für den Landkreis München fanden im ersten Quartal des Jahres 2025 insgesamt sechs Maßnahmen-Workshops zur Klimafolgenanpassung statt. Vertreterinnen und Vertreter der 27 beteiligten Kommunen diskutierten gemeinsam mit Mitarbeitenden des Landratsamts und externen Akteuren konkrete Maßnahmenideen und Vorschläge zur Klimafolgenanpassung. Die Bandbreite der Themen reichte dabei von Katastrophenschutz über Wasserwirtschaft hin zu Landnutzung und Naturhaushalt.
Obwohl der Freistaat Bayern in diesem Winter das kälteste Bundesland war, lag auch hier die Mitteltemperatur mit 0,9 °C fast zwei Grad über dem Mittelwert der Referenzperiode 1961-1990 (-1,0 °C). In Deutschland und in Bayern ist dies der vierzehnte milde Winter in Folge. Mit nur 148 Liter pro Quadratmeter fielen in den letzten drei Monaten in Bayern nur 74 Prozent des Niederschlags der Referenzperiode. Milde Winter mit weniger Frost- und Eistagen sind ebenso wie vermehrte Hitzetage und Tropennächte Klimafolgen, die den Landkreis und seine kreisangehörigen Kommunen künftig vor zunehmende Herausforderungen stellen werden. Mit der Erstellung eines Klimafolgenanpassungskonzepts wollen der Landkreis und 27 beteiligte Kommunen sich auf diese veränderten Bedingungen vorbereiten.
Im Herbst vergangenen Jahres hatten die Beteiligten in einem ersten Schritt bereits ihre jeweiligen Betroffenheiten durch die Folgen des Klimawandels identifiziert. So können mildere Winter beispielsweise zwar einerseits positive Effekte, wie geringeren Heizbedarf und weniger Streumitteleinsatz, aber auch negative Folgen, wie zum Beispiel sinkende Grundwasserspiegel durch zu wenig Niederschlag oder eine frühere Pollensaison mit Auswirkungen auf Allergiker bewirken.
Wichtige Instrumente zur Klimafolgenanpassung bei Kommunen
In einer zweiten Workshop-Reihe haben Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen nun gemeinsam nach Lösungen für diese neuen Herausforderungen gesucht. In sechs Workshops wurden Maßnahmen diskutiert, die helfen sollen Betroffenheiten zu mindern und Auswirkungen des Klimawandels vorzubeugen.
Insbesondere im Themenkomplex Planen und Bauen haben Kommunen entscheidende Einflussmöglichkeiten, um den Klimawandel aktiv abzumildern und sich gleichzeitig an seine Auswirkungen anzupassen. Über die Bauleitplanung und kommunale Satzungen können resiliente Infrastrukturen gefördert und sichergestellt werden, dass Gebäude, Straßen und andere Infrastrukturen gegenüber extremen Wetterereignissen wie Starkregen oder Hitzewellen widerstandsfähig sind. Dazu gehören beispielsweise versickerungsfähige Oberflächenbeläge, natürliche Beschattung durch Bäume auf öffentlichen Plätzen oder die Integration von Wasserelementen oder Trinkbrunnen. Die Begrünung von Freiflächen sowie Fassaden und Dächern können zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen und gleichzeitig als Versickerungsflächen dienen, um bei Starkregen Wasser aufzunehmen und gleichzeitig die Grundwasserneubildung zu fördern.
Zusammenarbeit mit externen Akteuren
In anderen Themenschwerpunkten ist der Handlungsspielraum der Kommunen daher eher begrenzt, dafür können hier andere Akteure aktiv werden. Workshop-Teilnehmende des BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN) und des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg-Erding (AELF) konnten über Maßnahmen berichten, die sich bereits in der Umsetzung befinden, wie beispielsweise der Waldumbau in den bayerischen Staatsforsten oder die Aufwertung von Brachflächen als Schutzraum für Pflanzen und Tiere. Von diesem Fachwissen können sowohl Kommunen als auch Privatpersonen profitieren und in ihrem eigenen Wald oder Garten entsprechende Maßnahmen umsetzen. Im Rahmen von Informationsveranstaltungen soll dieses Wissen im Laufe des Jahres vor Ort im Landkreis weitergegeben werden.
Detaillierte Ausarbeitung der Maßnahmenideen folgt
Im nächsten Schritt werden die gesammelten Ideen in Maßnahmensteckbriefen ausgearbeitet und individuell auf jede Kommune angepasst, um beispielsweise zu definieren, an welchen Plätzen Trinkwasserbrunnen sinnvoll sind oder welche lokalen Institutionen für eine Kampagne zum Hitzeschutz eingebunden werden müssen. Insgesamt wurden acht Maßnahmen identifiziert, die für alle Kommunen relevant sind. Dazu zählen unter anderem ein Kriterienkatalog zur Berücksichtigung von Klimaanpassung in der Bauleitplanung oder die Umsetzung von Grünpatenschaften. Weitere Maßnahmen werden für einzelne Kommunencluster ausgearbeitet, wie zum Beispiel der Umgang mit Moorböden oder die Erstellung einer Baumschutzverordnung.
Klimafolgenanpassung im Landkreis gemeinsam umsetzen
Die Auswirkungen des Klimawandels – von Extremwetterereignissen über Wasserknappheit bis hin zu Veränderungen in der Biodiversität – betreffen alle gesellschaftlichen Ebenen. Der Klimawandel erfordert ein Umdenken in der Stadtplanung, der Infrastruktur und im Umgang mit natürlichen Ressourcen. Auf Basis des Klimafolgenanpassungskonzepts des Landkreises soll die Umsetzung von Maßnahmen auf kommunaler und Landkreisebene koordiniert und damit Wissen und Erfahrungen geteilt sowie strategische Ansätze auf verschiedenen Ebenen miteinander verzahnt werden. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Landratsamt, Kommunen und externen Akteuren entstehen innovative, nachhaltige und effektive Lösungen, die langfristig zum Schutz und zur Lebensqualität in der Region beitragen.
Weitere Infos zum Klimafolgenanpassungskonzept finden gibt es auf der Website des Landkreises München auf der Seite Klimafolgenanpassung